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Die Kanarischen Inseln - Natur, Geschichte, Kultur und Leben im Archipel

Die Kanarischen Inseln - Artikel und Reportagen aus einer persönlichen Sicht

Die Kanarischen Inseln sind ein vulkanischer Archipel im Atlantik, rund 100 km vor der Küste Nordwestafrikas. Sie wirken vertraut und zugleich fremd: Wüstenwind und Nebelwald, schwarze Lava und Kiefern, Steilküste und Hochgebirge existieren hier auf engem Raum.

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Vulkanisnus

Ursprung

Wie Vulkanismus, Meer und Millionen Jahre die Kanarischen Inseln formten

Der Ursprung des Archipels

Acht Inseln im Atlantik, nur rund hundert Kilometer vor der Küste Nordwestafrikas - und doch eine Landschaft, die über Millionen Jahre aus dem Meer gewachsen ist. Die Kanaren sind das sichtbare Ergebnis gewaltiger geologischer Prozesse: Vulkanismus, Erosion und Zeit haben aus untermeerischen Bergen einen Archipel mit Gipfeln, Calderen, Lavafeldern und tief eingeschnittenen Schluchten geformt.

Aus dem Atlantik gewachsen

Die Kanarischen Inseln liegen auf der afrikanischen beziehungsweise nubischen Platte. Ihre vulkanischen Gebäude beginnen tief unter dem Meeresspiegel und wurden über lange Zeit durch immer neue Eruptionen aufgebaut. Die ältesten heute sichtbaren subaerischen vulkanischen Gesteine der östlichen Inseln reichen mehr als 20 Millionen Jahre zurück. Fuerteventura und Lanzarote erzählen deshalb eine wesentlich ältere Landschaftsgeschichte als die jungen westlichen Inseln.

Dabei entstand keine gleichförmige Inselkette. Jede Insel entwickelte ihre eigene Gestalt. Gewaltige Hangabbrüche, erstarrte Lavaströme, Aschekegel, Calderen und alte Erosionslandschaften liegen oft dicht nebeneinander. Gerade dieser Wechsel zwischen Aufbau und Abtragung macht die außergewöhnliche Topografie des Archipels aus.

Eine Entstehung, über die weiter geforscht wird

Lange wurde die Entstehung der Kanaren vor allem mit einem sogenannten Hotspot oder Mantelplume erklärt. Diese Vorstellung spielt in der Forschung weiterhin eine wichtige Rolle. Eine 2025 veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit stellt dieses Modell jedoch grundsätzlich infrage und schlägt stattdessen einen stärker plattentektonisch geprägten Zusammenhang zwischen dem Archipel, der nubischen Platte und dem Atlas-System vor.

Die Entstehung der Kanaren lässt sich deshalb nicht seriös auf einen einzigen einfachen Satz reduzieren. Sicher ist: Der Vulkanismus ist das Ergebnis tiefreichender geologischer Prozesse - über deren genaue Mechanismen weiterhin wissenschaftlich diskutiert wird.

Vulkanismus ist Gegenwart

Die Inseln sind kein abgeschlossenes geologisches Museum. Das zeigte zuletzt die Eruption auf La Palma im Jahr 2021. Sie begann am 19. September und endete am 13. Dezember nach 85 Tagen und acht Stunden. Erdbeben, Bodenverformungen und vulkanische Gase werden auf den Inseln deshalb kontinuierlich überwacht.

Natur

Natur

Zwischen Passatwolken, Lorbeerwald, Lavafeldern und offenem Atlantik

Landschaft und Leben

Auf kaum einem anderen Archipel liegen Wüste, Nebelwald, schwarzes Lavagestein, Kiefernwald, Hochgebirge und subtropische Küste so dicht beieinander. Die Natur der Kanaren entsteht aus einem ungewöhnlichen Zusammenspiel von Ozean, Passatwind, Höhenlage, Vulkanrelief und Isolation.

Viele Klimazonen auf kleinem Raum

Die Kanaren liegen im subtropischen Nordatlantik. Besonders prägend sind die Nordostpassate. Sie führen in den unteren Luftschichten feuchte Meeresluft heran. Darüber liegt häufig trockenere, wärmere Luft - es entsteht eine Temperaturinversion.

An den Nord- und Nordosthängen der höheren Inseln werden die feuchten Luftmassen zum Aufsteigen gezwungen. Wolken sammeln sich an den Berghängen und bilden das berühmte Wolkenmeer. AEMET beschreibt für die Passatlage eine feuchte untere Luftschicht und eine deutlich trockenere Atmosphäre darüber. Deshalb können auf derselben Insel wenige Kilometer voneinander entfernt üppig grüne Hänge und ausgesprochen trockene Landschaften entstehen.

Vom Lavaboden zum Lorbeerwald

Diese klimatischen Gegensätze schaffen sehr unterschiedliche Lebensräume. In den Küstenregionen überleben Pflanzen, die mit Trockenheit, Wind und Salz zurechtkommen. Höher gelegen folgen auf mehreren Inseln kanarische Kiefernwälder. In feuchten Passatzonen haben sich Lorbeerwälder erhalten - Relikte einer Vegetation, die früher in größeren Teilen des Mittelmeerraums verbreitet war.

Noch höher beginnt eine Landschaft, in der starke Sonneneinstrahlung, Wind, niedrige Temperaturen und große Unterschiede zwischen Tag und Nacht nur hoch spezialisierten Arten Lebensraum bieten.

Der kanarische Naturraum gehört zu den außergewöhnlich artenreichen Gebieten Europas. Die Inselisolierung hat zahlreiche endemische Arten und Unterarten hervorgebracht - Organismen also, deren natürliches Vorkommen auf einzelne Inseln oder auf den Archipel beschränkt ist. Der aktuelle Arten- und Naturschutz des Gobierno de Canarias führt diese besondere Endemitenvielfalt ausdrücklich als eines der Kennzeichen des Archipels.

Ein Archipel reicht unter Wasser weiter

Auch der Atlantik gehört zur kanarischen Landschaft. Weil die vulkanischen Inseln steil aus großen Meerestiefen aufsteigen und nur schmale Schelfbereiche besitzen, kommen tiefe ozeanische Lebensräume vielerorts ungewöhnlich nahe an die Küste.

Besonders sichtbar wird das an den Meeressäugern: In kanarischen Gewässern sind nach Angaben der Regionalregierung bis zu 28 Wal- und Delfinarten dokumentiert. Das entspricht nach deren Angaben annähernd 80 Prozent der im Nordatlantik vorkommenden Arten. Gleichzeitig gehören Schiffsverkehr, Unterwasserlärm, Müll und Störungen zu den Belastungen dieser Lebensräume.

Naturschutz INSELMAGAZIN

Schutz

Wie einzigartige Lebensräume, Artenvielfalt und Landschaften bewahrt werden

Naturerbe

Die Vielfalt der Kanaren ist außergewöhnlich - und empfindlich. Inselökosysteme besitzen nur begrenzten Raum. Arten, Siedlungen, Landwirtschaft, Tourismus und Infrastruktur konkurrieren deshalb auf vergleichsweise kleinen Flächen miteinander. Naturschutz bedeutet hier nicht, Landschaft einfach unberührt zu lassen. Er bedeutet, Nutzung und Erhaltung dauerhaft miteinander auszubalancieren.

Vier Nationalparks

Vier der eindrucksvollsten Landschaftsräume Spaniens liegen auf den Kanaren: Teide auf Teneriffa, Timanfaya auf Lanzarote, Garajonay auf La Gomera und Caldera de Taburiente auf La Palma.

Sie schützen völlig unterschiedliche Landschaften: Das vulkanische Hochgebirge des Teide, die jungen Feuerlandschaften von Timanfaya, die feuchten Lorbeerwälder von Garajonay und die gewaltige erosionsgeprägte Gebirgslandschaft der Caldera de Taburiente.

Schutz ist ein Netzwerk

Nationalparks bilden nur einen Teil der Schutzlandschaft. Hinzu kommen Naturparks, Reservate und Landschaftsschutzgebiete der Kanarischen Inseln sowie das europäische Natura-2000-Netz.

Nach dem aktuellen Informationsportal der kanarischen Regierung gehören inzwischen mehr als 180 Gebiete auf den Inseln zum Natura-2000-Netz. Geschützt werden dabei unter anderem Lorbeerwälder, kanarische Kiefernwälder, Seegraswiesen und Lebensräume bedrohter Vogelarten.

International besitzt der Archipel ebenfalls eine ungewöhnlich hohe Schutzdichte. Die kanarische Regierung führt derzeit sieben UNESCO Biosphärenreservate: La Palma, Lanzarote, El Hierro, Gran Canaria, Fuerteventura, La Gomera und Anaga auf Teneriffa. Zusammen umfassen sie rund 820.120 Hektar, davon etwa 352.000 Hektar Meeresflächen.

Hinzu kommen die UNESCO-Geoparks El Hierro sowie Lanzarote und Archipiélago Chinijo.

Schutz bleibt eine Aufgabe

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